Posted on Juli 23, 2010 - by reisekalle
Freiheit
Ich werde mich hüten, jemals wieder irgendwelche Vorhaben oder Pläne preiszugeben, geschweige denn zu glauben, dass ich sie durchführen würde. Jedenfalls nicht zu den vorgenommenen Terminen. Es gibt zu viele unbekannte Faktoren, die Einfluss auf meine Wünsche und Ziele haben. Ich werde also schweigen und mich erst zu Wort melden, wenn eine Handlung aktuell geworden ist.
Und siehe da, plötzlich entschied ich mich von heut auf morgen abzuhauen.
Dummerweise kam mir dieser Gedanke 11 Tage vor einem wichtigen Treffen, an dem ich wieder zurück sein musste. Immerhin hatte ich 11 Tage zur Verfügung. Ich packte mein Auto und fuhr los. Endlich lief einmal alles reibungslos. Mein Toyota hielt durch. Mein Internet funktionierte. Ich hatte nur die Maus vergessen, so dass die Bildbearbeitung ein wenig umständlich gewesen wäre. Ich hatte so wie so keine große Lust zu arbeiten.
Selbst das Wohnen auf ca. 3 qm Fläche in meinem Land Cruiser hielt ich durch, ohne ein einziges Mal auf ein Hotel oder eine Pension zurückzugreifen. Immerhin hatte ich einen riesigen Vorgarten zum austoben.  In den ersten Tagen hieß dieser Garten Rhön, später Falkenhöhe. Zweimal nistete ich mich auf einem Campingplatz ein um Wäsche zu waschen und vor allem wegen dem Luxus, mehr als 5 Liter Wasser für die Körperpflege zur Verfügung zu haben. In Meiningen blieb ich sogar über Nacht. Die Schranke an der Einfahrt konnte 24 Stunden am Tag betätigt werden. Der Platz war nicht einmal zur Hälfte besetzt. Ich hatte  viel Bewegungsfreiheit.
In Rothenburg ob der Tauber verließ ich - obwohl ich für die Übernachtung bezahlt hatte - den Campingplatz bereits nach zwei Stunden. Ich kam gegen 17.00 Uhr dort an. Nachdem ich mich geduscht und zwei Bier getrunken hatte, packte mich das Grauen. Eine Parzelle war dicht an die nächste gereiht. Auf jeder Parzelle eine Familie oder ähnliches. Es erinnerte mich an die langweiligen Einfamilien- und Reihenhaussiedlungen mit ihren noch langweiligeren Vor- und Hintergärten. Spießigkeit hoch drei. Vor allem störte mich die Tatsache, dass dieser Campingplatz – wie viele andere in Deutschland – zwischen 22 Uhr abends und 8 Uhr morgens nicht mit dem Auto verlassen werden konnte, quasi ein Gefangenenlager. Jeder Hauch von Freiheit, Abenteuer und Spontaneität schien ausgelöscht. Ich ergriff die Flucht, bevor die Schranken schlossen.

